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Jeder Beruf hat seine Sprache, seine Fachsprache; einige
haben ihre Fremdsprache. Ärzte, Juristen, Apotheker – sie
lieben ihr Latein, Diplomaten parlieren französisch, und die
Psychologen und Soziologen verständigen sich durch englische
Termini. Und der Werbefachmann – welche Sprache spricht er?
Der deutsche Werber wählt Fachwörter made in USA, geschöpft
und geboren in den agencies der Madison Avenue, der Straße
der Werbung in New York.
Eine Werbeagentur hat viele Mitarbeiter, aber jeder hat
seinen besonderen Namen. Kollege ist nicht gleich Kollege –
da ist man Layouter, Visualiser oder gar Art director;
Copywriter oder Copy- chief; Contact-, Research- oder
Mediaman, Marketing- oder Traffic-Manager. Und der „oberste“
nennt sich nicht nach altem deutschem Brauch
Generaldirektor, sondern ganz zivil Chairman,
„Sesselhalter“.
Und wenn alle diese Werbekollegen zusammenarbeiten, so
nennen sie das nicht Zusammenarbeit, sondern: teamwork. Und
der Superlativ von teamwork heißt: brain storming.
Da jede Werbung immer etwas ganz Bestimmtes bei ganz
bestimmten Personen bewirken will, so hat man feste Regeln
aufgestellt. Nach ihnen braucht jedes Produkt sein brand
image, jede Werbung ihren approach, jede Botschaft ihren
appeal, jede Gestaltung ihre basic message und jedes ad
seine copy platform. Aber wer hard selling sagt, liegt immer
richtig.
Ja, selbst Grafiker, die doch meist halbe Künstler und
Bohemiens sind, müssen ihr creative work fachsprachlich
interpretieren können. Sie müssen erklären, warum ihr visual
einen golden und keinen family touch hat, warum life shot
und nicht high key. „Schauen Sie, dieses outdoorphoto hat so
viel appetizing appeal, daß es für unser food ad - der eye
catcher schlechthin ist!“ Ja, solche Sätze müssen
Werbeagentur-Grafiker mühelos sprechen können.
Noch schwerer – nicht nur wegen der Kunden! – hat es der
Contact Man, der Account Executive: er hat es mit allen zu
tun, muß von allem etwas verstehen, alle Fachausdrücke
sprechen. Mit dem Copy Chief muß er sich einigen, ob der
payoff ein hidden offer sein soll, ob die copy body noch
mehr drive braucht. Mit dem Visualiser spricht er über den
display-Wert eines crowners; mit dem Research Man über
sample, copy test und aided recall. Ob testimonial oder
Hitchcock appeal, emotion oder facts, marketing, sales
promotion, merchandising, PR – er muß sein Fachwort dazu
sagen. Und dieses Fachwort ist englisch.
Advertising spoken - English spoken!
Sie finden das albern, töricht, snobistisch? Sie meinen,
ein Werbedeutscher brauche nicht amerikanischen Slang zu
sprechen, um sich einem zweiten Werbedeutschen verständlich
zu machen.
Und Sie – Sie finden das richtig? Sie meinen, mit
englischen Vokabeln lasse sich vieles präziser, prägnanter,
kürzer, knapper ausdrücken? Und die USA seien nun mal das
klassische Land der Werbung und hätten darum auch die
größere Erfahrung, den größeren schon vielfach erprobten
Wortschatz auf diesem Gebiet.
Aber ist es nicht mit allen Fremdwörtern so? Geben sie
einer Rede nicht oft erst die Würze? Ermöglichen sie nicht
erst „Nuancen“: „Esprit“ zum Beispiel ist eben nicht gleich:
Geist; es ist Geist mit „Champagner“... „pardon“ –
Verzeihung: Sekt.
Fremdwörter erweitern unsere Ausdrucksmöglichkeiten. Wer
„Cousine“ sagt, meint zwar auch nur „Base“ – sagt es aber
mit einem Wort einer völlig anderen Stilschicht.
Gleiches gilt für unseren Fall. Um den „Hitchcock appeal“
zu erklären, braucht man mindestens das Dutzendfache an
deutschen Wörtern. Und wieviel „Details“, wieviel
„Assoziationen“ umschließen beispielsweise die englischen
Fachwörter: human side, impact-test, inside story,
merchandising, opinion leader, visual... Der Fachmann weiß
Bescheid – er wird zur rechten Zeit auch das richtige
Fachwort zu sagen wissen. Snobs und Schmocks werden immer
nur tönen können – und sei’s auf englisch! Sie sind
Sandwich-Männer ihrer eigenen Eitelkeit.
Deutsche Werber, Brand-, Product- und Marketing-Manager
lieben ihr amerikanisches Fachwort. Die Nachfrage nach dem
„American Way of Marketing“ ist groß. Seltsam... in meiner
ersten Vorlesung vor Studenten in Deutschland, es war 1973,
war das alles noch ganz anders. Damals wollte ich einen joke
machen. Das, was heute kluge Leute von der Werbung
verlangen, danach stand mir damals der Sinn: information und
entertainment, entertainment und information.
Aber es kam anders: aus dem joke, aus dem Spaß am
neu-modischen, neu-englischen Fachwort – wurde Ernst. Wer
heute ein Fachmann, ein Advertising Man, ein Product Manager
sein will – der sagt sein Fachwort auf amerikanisch. Das ist
Beweis für einen Professional. Nicht nur Europa, jeder
einzelne Brand- und Marketing-Manager in Europa lebt im
Zeitalter der „Amerikanischen Herausforderung“: he has to
speak American! Zumindest doch: in American terms.
Nun denn – so soll es sein!
In meinen Studienseminaren über Werbung, an der
Marketing-Business-Akademie, in Bad Honnef bei Bonn,
erfahren die Studenten die gebräuchlichsten amerikanischen
Werbefachausdrücke. Es sind einige mehr als 400. Es wurde zu
einer nützlichen Informationsquelle, zu einem A Guide for
Beginners and Advanced Learners of Advertising and Marketing
Terms.
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V.i.S.d.P. Wolfgang M. Nitsche,
Wirtschaftsjournalist
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